Was kostet, was beide versprechen?
Zehn Versprechen aus den Programmen von Stephanie Lohr und Timo Horst, gelegt neben den Posten des Haushalts 2026, den sie berühren. Die Zahlen stammen ausschließlich aus den Unterlagen der Stadt Worms; nichts ist geschätzt, nichts modelliert, nichts bewertet. Der Befund am Ende jedes Abschnitts ist immer derselbe Satz — und das ist das Ergebnis dieser Seite: Für keines der geprüften Versprechen nennt ein Programm einen Betrag oder eine Gegenfinanzierung.
Timo Horst (SPD): „Steuererhöhungen lehne ich in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage ab.“
Das Versprechen. „Steuererhöhungen lehne ich in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage ab.“ Zehn-Punkte-Plan „Der Weg für Worms“, Baustein 3
Der Posten im Haushalt: Grundsteuer B und Gewerbesteuer.
- Grundsteuer B: Hebesatz 633 % seit 2024; die Grundsteuerreform brachte rd. 5 Mio. € Mindererträge. Für Aufkommensneutralität hätte der Satz auf 800 % steigen müssen (Vorbericht).
- Gewerbesteuer: Ansatz 2026 53.577.000 € — die größte einzelne Steuerquelle.
- Der Vorbericht hält fest: „Neben Erhöhungen der Realsteuerhebesätze werden auch regelmäßig alle beeinflussbaren Gebühren erhöht.“ Gebühren sind keine Steuern — das Versprechen lässt sie offen.
Im Worms-O-Mat. Im Worms-O-Mat entsprechen die beiden Hebel „Grundsteuer B auf 800 %“ (+5,0 Mio. €) und „Gewerbesteuer +10 %“ (+5,36 Mio. €) zusammen 10,4 Mio. € im Jahr. Wer beide ausschließt, muss das Defizit von 40,2 Mio. € ohne sie schließen.
Betrag im Programm: Das Programm nennt weder einen Betrag noch eine Gegenfinanzierung.
Timo Horst (SPD): „Jedes Kind in Worms soll einen Kita-Platz bekommen.“
Das Versprechen. „Jedes Kind in Worms soll einen Kita-Platz bekommen.“ Zehn-Punkte-Plan, Baustein 7
Der Posten im Haushalt: Zuschüsse an Kitas freier Träger und Kita-Investitionen.
- Zuschüsse für die Unterhaltung von Kitas freier Träger 2026: 24.000.000 € — der größte einzelne Transferposten des Haushalts.
- Versorgungsquote laut Kita-Bedarfsplanung 2023: 84 % (Ü2), 7 % (U2); es fehlen rd. 600 bis 840 Plätze.
- Für Kita-Neubauten und -Sanierungen sind 2026 rd. 13,2 Mio. € Investitionen geplant, u. a. Carl-Villinger-Straße (14,0 Mio. € Gesamt), Rheindürkheim (11,2 Mio. €), Prinz-Carl-Anlage (9,7 Mio. €).
Im Worms-O-Mat. Der Worms-O-Mat rechnet den umgekehrten Fall: 10 % weniger Zuschuss wären +2,4 Mio. €. Was 600 bis 840 zusätzliche Plätze im laufenden Betrieb kosten, steht in keiner der ausgewerteten Unterlagen.
Betrag im Programm: Das Programm nennt keinen Betrag.
Timo Horst (SPD): „Die Stadt soll nicht mehr nur auf Investoren warten, sondern selbst zum Motor des Wohnung…
Das Versprechen. „Die Stadt soll nicht mehr nur auf Investoren warten, sondern selbst zum Motor des Wohnungsbaus werden.“ — eine Stadtentwicklungsgesellschaft mit privater Beteiligung, mindestens 25 % geförderter Wohnraum in neuen Baugebieten. Zehn-Punkte-Plan, Baustein 4
Der Posten im Haushalt: Investitionen und Kredite.
- Investitionsauszahlungen 2026: 61.823.900 €; Investitionszuwendungen 12.328.400 €.
- Kreditaufnahme 2026: 47.735.500 € — auf den Euro genau der Saldo der Investitionstätigkeit (Haushaltssatzung §§ 1–2).
- Zinsaufwand 2026: 11.619.900 €, steigend auf 14,1 Mio. € bis 2029; Planzinssatz für Neuaufnahmen 3,50 %.
Im Worms-O-Mat. Jede zusätzliche Investition ohne projektbezogenen Zuschuss erhöht in der Summe den Kreditbedarf; bei 3,50 % kostet jede Million dauerhaft 35.000 € Zinsen im Jahr, dazu die Abschreibung. Eine Gesellschaft mit privater Beteiligung stünde außerhalb des Kernhaushalts — ihre Zahlen wären dort nicht sichtbar.
Betrag im Programm: Das Programm nennt keinen Betrag, kein Eigenkapital und keine Zahl geplanter Wohnungen.
Stephanie Lohr (CDU): Das Areal um das Klinikum als „moderner, integrierter Gesundheitscampus“, dazu ein „kommun…
Das Versprechen. Das Areal um das Klinikum als „moderner, integrierter Gesundheitscampus“, dazu ein „kommunales Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in städtischer Trägerschaft“. Zukunftsprogramm „Ganz Worms im Blick“, Kapitel 3, S. 7 f.
Der Posten im Haushalt: Kein Posten im Haushalt 2026.
- Unter den 106 Investitionsmaßnahmen des Haushaltsplans 2026 führt keine ein Versorgungszentrum oder einen Gesundheitscampus.
- Ein MVZ in städtischer Trägerschaft wäre ein neuer, dauerhafter Betrieb — im Ergebnishaushalt oder in einer städtischen Gesellschaft.
- Das Klinikum Worms gGmbH steht in kommunaler Trägerschaft; über Fachabteilungen und Notfallversorgung entscheidet die Stadt nicht allein (Krankenhausplanung des Landes).
Im Worms-O-Mat. Nicht im Worms-O-Mat abgebildet: Es gibt keine Zahl der Stadt, auf der eine Rechnung aufsetzen könnte.
Betrag im Programm: Das Programm nennt keinen Betrag.
Stephanie Lohr (CDU): „Wir kämpfen für die neuen S-Bahn-Haltepunkte Worms-Süd und Worms-West“; Free-Flow-System …
Das Versprechen. „Wir kämpfen für die neuen S-Bahn-Haltepunkte Worms-Süd und Worms-West“; Free-Flow-System fortführen, „neues Parkhaus nahe dem Dom“ angestrebt. Zukunftsprogramm, Kapitel 6, S. 11
Der Posten im Haushalt: Kein Posten im Haushalt 2026; S-Bahn nicht im Machtbereich der Stadt.
- Über neue S-Bahn-Haltepunkte entscheidet die Stadt nicht: Den Schienenpersonennahverkehr bestellt in Rheinland-Pfalz ein Zweckverband, die Station baut das Eisenbahninfrastrukturunternehmen.
- Unter den Investitionsmaßnahmen 2026 führt der Haushaltsplan kein Parkhaus.
- Bewohnerparken kostet seit 01.01.2024 15 € im Monat bzw. 180 € im Jahr.
Im Worms-O-Mat. Nicht abgebildet. Ein Parkhaus wäre eine Investition, die — ohne projektbezogenen Zuschuss — in der Summe über Kredit läuft (3,50 %).
Betrag im Programm: Das Programm nennt keinen Betrag.
Stephanie Lohr (CDU): Weitere personelle Aufstockung des Kommunalen Vollzugsdienstes, moderne Videotechnik, geme…
Das Versprechen. Weitere personelle Aufstockung des Kommunalen Vollzugsdienstes, moderne Videotechnik, gemeinsame Streifen mit der Polizei, Streetwork an Hotspots. Zukunftsprogramm, Kapitel 1, S. 6
Der Posten im Haushalt: Personal- und Versorgungsaufwendungen.
- Personal- und Versorgungsaufwendungen 2026: 103.002.800 €, steigend auf 111,4 Mio. € bis 2029 — der zweitgrößte Aufwandsblock.
- Allein Tarifsteigerungen bringen gegenüber dem Vorjahresplan 5,3 Mio. € Mehraufwand.
- Im Stellenplan 2026 wurden bereits 6,0 Vollzeitäquivalente eingespart; gleichzeitig müssen neue Stellen geschaffen werden, u. a. für Ganztagsbetreuung und Feuerwehr.
Im Worms-O-Mat. Der Worms-O-Mat rechnet den umgekehrten Fall: 2 % weniger Personalaufwand wären +2,06 Mio. €. Jede zusätzliche Stelle läuft gegen diesen Block.
Betrag im Programm: Das Programm nennt keine Zahl zusätzlicher Stellen und keinen Betrag.
Timo Horst (SPD): „Deshalb will ich die sichtbare Präsenz des Ordnungsdienstes deutlich erhöhen.“ Reinigung …
Das Versprechen. „Deshalb will ich die sichtbare Präsenz des Ordnungsdienstes deutlich erhöhen.“ Reinigung dauerhaft statt als Einzelaktion. Zehn-Punkte-Plan, Baustein 1
Der Posten im Haushalt: Personal- und Versorgungsaufwendungen.
- Derselbe Block wie beim Versprechen von Stephanie Lohr: 103,0 Mio. € Personalaufwand 2026, +5,3 Mio. € allein aus Tarif, 6,0 VZÄ bereits eingespart.
- Beide Kandidaturen wollen den Ordnungsdienst ausbauen; beide nennen keine Stellenzahl.
Im Worms-O-Mat. Siehe oben: +2,06 Mio. € wären 2 % Einsparung; ein Ausbau läuft in die Gegenrichtung.
Betrag im Programm: Das Programm nennt keine Zahl zusätzlicher Stellen und keinen Betrag.
Stephanie Lohr (CDU): „Wer privat Flächen entsiegelt, Zisternen baut oder Gründächer nutzt, wird durch Gebührenv…
Das Versprechen. „Wer privat Flächen entsiegelt, Zisternen baut oder Gründächer nutzt, wird durch Gebührenvorteile belohnt.“ Zu Grund- und Gewerbesteuerhebesätzen keine Aussage. Zukunftsprogramm, Kapitel 8, S. 12
Der Posten im Haushalt: Öffentlich-rechtliche Leistungsentgelte (Gebühren).
- Öffentlich-rechtliche Leistungsentgelte 2026: 16.348.600 €.
- Der Vorbericht: „Die Fachbereiche sind gehalten, alle Einnahmemöglichkeiten auszuschöpfen“ — Gebührenvorteile sind Mindererträge gegen diese Vorgabe.
- Zu den Hebesätzen schweigt das Programm; damit bleibt offen, ob die Reformlücke der Grundsteuer B (rd. 5 Mio. €) geschlossen werden soll.
Im Worms-O-Mat. Der Worms-O-Mat rechnet Gebühren +10 % = +1,64 Mio. €. Gebührenvorteile wirken in die Gegenrichtung; ihre Höhe hängt von der Zahl der Fälle ab.
Betrag im Programm: Das Programm nennt keinen Betrag.
Beide Kandidaturen: Beide: das Domquartier entwickeln — Lohr: „im alten Gesundheitsamt“, Horst: „ein echter Im…
Das Versprechen. Beide: das Domquartier entwickeln — Lohr: „im alten Gesundheitsamt“, Horst: „ein echter Impulsgeber für die gesamte Innenstadt“. Zukunftsprogramm, Kapitel 5, S. 9 f.; Zehn-Punkte-Plan, Baustein 9
Der Posten im Haushalt: Städtebauförderung Domquartier — das eine Versprechen, das schon finanziert ist.
- Kosten- und Finanzierungsübersicht: 23.449.811 € Gesamtausgaben bis 2035.
- Städtebauförderungsmittel 16.433.111 €, davon Land einschließlich Bund 14.789.800,30 € — Förderquote 90 %.
- Eigenanteil der Stadt: 1.643.310,70 € über die gesamte Laufzeit.
- Größte Einzelposten: Weckerlingplatz 4,5 Mio. €, Neumarkt und Marktplatz 3,33 Mio. €.
Im Worms-O-Mat. Der Worms-O-Mat rechnet den Ausstieg: Für jeden gesparten Euro Eigenanteil entgingen neun Euro Landesmittel (−1,19 Mio. € Ergebniswirkung im Jahr). Beide Programme wollen das Gegenteil — Fortführung, wie im Haushalt geplant.
Betrag im Programm: Hier braucht es keinen Betrag im Programm: Der Haushalt hat ihn.
Beide Kandidaturen: Beide: Schulen sanieren nach Prioritäten — Lohr: „Sanierungsfahrplan mit Prioritäten“ und …
Das Versprechen. Beide: Schulen sanieren nach Prioritäten — Lohr: „Sanierungsfahrplan mit Prioritäten“ und Neubau des BIZ; Horst: „eine verlässliche und transparente Prioritätenliste“. Zukunftsprogramm, Kapitel 2, S. 6 f.; Zehn-Punkte-Plan, Baustein 5
Der Posten im Haushalt: Schulinvestitionen im Haushaltsplan 2026.
- 26 der 106 Investitionsmaßnahmen 2026 nennen Schulen im Titel oder in der Begründung — darunter Sanierung Nibelungenschule 23,2 Mio. €, Erweiterung Diesterweggrundschule 14,1 Mio. €, Sporthallen Brucknerstraße 14,5 Mio. € und Carl-Villinger-Straße 12,25 Mio. € (Gesamtbeträge über die Laufzeit).
- Zum BIZ führt der Plan Sanierung (1,15 Mio. €), Außensportanlage (1,96 Mio. €) und Trafostation (0,65 Mio. €) — keinen Neubau.
- Investitionen belasten den Ergebnishaushalt nicht sofort, sondern über Abschreibungen (Nutzungsdauer im Schnitt 46,58 Jahre) und Zinsen (3,50 %).
Im Worms-O-Mat. Eine Prioritätenliste kostet nichts; sie verteilt, was der Plan ohnehin vorsieht. Ein Neubau des BIZ steht nicht im Plan — er wäre eine neue Maßnahme.
Betrag im Programm: Keines der beiden Programme nennt einen Betrag.
Was hier nicht steht
Keine Rechnung, was ein Versprechen „insgesamt kostet“ — dafür fehlen in beiden Programmen die Mengen (Stellen, Plätze, Wohnungen, Bauvolumen). Wer solche Zahlen einsetzt, ersetzt das Programm durch eine eigene Annahme. Was der Haushalt hergibt, lässt sich auf der Startseite selbst durchrechnen: Worms-O-Mat, zwölf Entscheidungen.
Fundstellen Haushaltsplan 2026 der Stadt Worms (Band 1: Haushaltssatzung, Vorbericht, Finanzrechnung, Investitionsübersicht, Stellenplan); Jahresabschluss 2024 (Nutzungsdauer, Abschreibungsquote); ISEK Domquartier mit Kosten- und Finanzierungsübersicht, Stand 26.03.2025, Anlage zu Beschlussvorlage 6/062/24-29; Kita-Bedarfsplanung 2023. Programmzitate: „Ganz Worms im Blick“ (stephanielohr.de) und „Der Weg für Worms“ (zeitfuerworms.com), beide abgerufen 10.08.2026.Kurz beantwortet
- Nennen die Wahlprogramme von Lohr und Horst Beträge für ihre Versprechen?
Nein. Bei keinem der hier geprüften zehn Versprechen nennt eines der beiden Programme einen Euro-Betrag oder eine Gegenfinanzierung (Auswertung der Programme vom 10.08.2026). Der Haushalt 2026 plant ein Defizit von 40,2 Mio. € und bis 2029 durchgehend rd. 48 Mio. €. - Welches Versprechen ist bereits im Haushalt finanziert?
Das Domquartier: 23,4 Mio. € Gesamtausgaben bis 2035, zu 90 % gefördert, Eigenanteil der Stadt 1,64 Mio. €. Beide Programme wollen es fortführen. - Was bedeutet Timo Horsts Absage an Steuererhöhungen für den Haushalt?
Die beiden größten Hebel des Worms-O-Mat — Grundsteuer B auf 800 % (+5,0 Mio. €) und Gewerbesteuer +10 % (+5,36 Mio. €) — blieben ungenutzt; zusammen 10,4 Mio. € im Jahr. Gebühren sind keine Steuern und bleiben vom Versprechen unberührt.